Damen-Eishockey in der Schweiz

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Frauen-Eishockey in der Schweiz

Das erste Damen-Eishockey-Team der Schweiz, wurde 1980 in Freiburg gegründet, innert 4 Jahren kamen 8 weitere Mannschaften dazu. 1985/86 fand die erste sogenannte "Gruppenmeisterschaft" in der in der Schweiz statt, aufgeteilt in Ost- und Westgruppe. Ein Jahr später wurde dann erstmals um Meisterehren gekämpft. Das Frauen-Eishockey begann sich rasant zu entwickeln; jährlich kamen mehr Teams dazu. Als Vorstufe zu einer Nationalmannschaft wurde die "Swiss-Selection" gegründet. Diese nahm dann im April 1987 am 1. inoffiziellen "World-Tournament" in Toronto teil. 1988 gab es in der Schweiz bereits 18 Damen-Teams mit etwa 350 lizenzierten Spielerinnen.

Auf die Saison 1989/90 hin wurde das Schweizer-Fraueneishockey in zwei Leistungsklassen (LK) aufgeteilt, die LK A mit 6 Teams und die LK B mit 17 Teams (aufgeteilt in drei Gruppen West-, Zentral-, und Ostschweiz). Ein Jahr später wurde dann endlich erstmals um einen offiziellen Schweizermeistertitel des SEHV gespielt. Auch international waren die Schweizerinnen von der ersten Stunde an dabei, bei der ersten offiziellen Weltmeisterschaft 1990 in Kanada erreichte man hinter Kanada, USA, Finnland und Schweden den 5. Rang. Die wertvollste Rangierung erreichte die Nati mit dem 3. Platz bei der Europameisterschaft 1995. Frauen-Eishockey wird heute in über 25 Ländern gespielt und war bei den Spielen 1998 in Japan erstmals olympische Sportart. Auf die Saison 95/96, wurden die inzwischen 29 Teams des Schweizer Frauen-Eishockeys, in drei Leistungsklassen aufgeteilt (Nationalliga A und B mit je 6 Teams und LK C mit 17 Teams in drei Gruppen). Leider nehmen in der kommenden Saison nur noch 33 Teams (1 weniger als letztes Jahr) an der Meisterschaft teil.

Die NLA-Meisterschaft wurde wie schon letzte Saison an der Spitze sehr schnell als Zweikampf ausgetragen. Wie im Vorjahr musste sich am Ende erneut Newcomer Reinach geschlagen geben. Diesmal konnte der EV Zug zum ersten mal den Meistertitel bejubeln. Lyss konnte nach einer katastrophalen ersten Runde, nie mehr ernsthaft ins Titelrennen eingreifen (auch wenn 2 der 3 besten Ausländerinnen für dieses Team spielten). St. Gallen und GC/ZSC bilden so etwas wie das untere Mittelfeld. Aufsteiger Biel konnte die Erwartungen nie ganz erfüllen und stand schon relativ früh als Absteiger fest. Die Spiele verliefen bis auf sehr wenige Ausnahmen, ausgeglichen. Doch innerhalb der einzelnen Teams sind die Unterschiede immer noch riesengross, auch sind die Kader meistens noch zu klein. In der kommenden Saison dürfte die Meisterschaft erneut sehr ausgeglichen verlaufen, Prognosen zu wagen ist deshalb sehr schwierig. Aufsteiger Illnau dürfte auf jeden Fall ebenfalls zu beachten sein. Wie gut hat Reinach den Verlust von 6 Spielerinnen aus den Top 50 verkraftet? Kann St. Gallen mit diesem schmalen Kader bestehen?

Die Nationalliga B hat sich nach 3 Saisons endgültig etabliert, ist doch der Abstand zur Nationalliga A kontinuierlich geschrumpft. Aber diese Liga ist leider nach wie vor sehr unausgeglichen. Die NLB-Meisterschaft stand ganz im Zeichen des Zweikampfes an der Spitze zwischen Illnau-Effretikon und Langenthal. In der ersten Hälfte der Saison vermochten die Bernerinnen noch mitzuhalten, doch mit zunehmender Dauer setzten sich die routinierteren und spielstärkeren Zürcherinnen letztendlich doch relativ klar durch. Damit gelang es Illnau-Effretikon, den vor einem Jahr doch überraschende Abstieg, postwendend zu korrigieren und den direkten Wiederaufstieg zu realisieren. Langenthal dagegen wird in der kommenden Spielzeit seinen dritten Anlauf in Richtung NLA nehmen müssen. Eine sehr gute erste Saison zeigte Aufsteiger Rapperswil, hier hat sich offensichtlich jahrelange Aufbauarbeit ausbezahlt. Wie schon letztes Jahr konnte sich Lugano in der vorderen Tabellenhälfte plazieren, aber nie ernsthaft in den Kampf an der Spitze eingreifen. Mit dem ZSC stieg eine renomierte Equipe in die Niederungen der LKC ab. Hier wurde augenscheinlich der Zusammenschluss mit GC und der damit verbundene Spielerinnen-Transfer nicht verkraftet. Mit St. Moritz hat sich eine Mannschaft freiwillig aus der NLB zurückgezogen, die seit Beginn dieser Liga dabei war. Diesen Club plagen offensichtlich grosse Nachwuchs-Sorgen.

Mit BOMO/Thun hat eine Mannschaft den Aufstieg geschafft, welche zum dritten Mal in Folge die Aufstiegsspiele erreichte und sich nun endlich durchsetzen konnte. Den Platz von St. Moritz konnte Wallisellen übernehmen, nach dem der 2. der Aufstiegsspiele, La Chaux-de-Fonds überraschend auf die Promotion verzichtet hat.

In der Leistungsklasse C haben sich mit Olten, BOMO/Thun II und Biel II drei Mannschaften aus der Deutschschweiz vom Spielbetrieb zurückgezogen. Dies sollte zu denken geben. Da jedoch mit Crans-Montana und Visp in der Westschweiz zwei neue Teams entstanden sind, ist der Aderlass noch gnädig ausgefallen. Doch in Zukunft muss wieder vermehrt für das Fraueneishockey geworben werden, wenn wir eine kontinuierliche Steigerung der Anzahl Mannschaften und Spielerinnen erreichen wollen.

Auf Verbandsebene musste mit der Streichung der finanziellen Unterstützung für das B-Nationalteam ein herber Rückschlag entgegen genommen werden. Dies nach der erfolgreichsten Saison für den Verband überhaupt, sowohl sportlich wie finanziell. Man wird hier den Verdacht nicht los, dass diese Entscheidung von Funktionären getroffen wurde, welche persönliche Motive in den Vordergrund stellen, sowie den nötigen Weitblick vermissen lassen!


Neue Zürcher Zeitung SPORT Samstag, 13.03.1999 Nr. 60 55

Zweiklassengesellschaft

tre. Eishockeyspielende Frauen zählen in der Schweiz eher zu einer Randerscheinung und entsprechen kaum dem Idealbild von Traditionalisten. Pirouetten und Sprungkombinationen passen besser zum weiblichen Klischee als Powerplay und Penaltykilling. Die Elite der hiesigen Szene nimmt gegenwärtig in Finnland an der WM teil. In der Schweiz sind 700 Frauen im Besitz einer Lizenz zum Umgang mit Stock und Puck; obwohl Frauen-Eishockey in Nagano erstmals im olympischen Programm figurierte, wirkte sich diese Statusverbesserung kaum positiv auf die Entwicklung in der Schweiz aus - ein gewisses Imageproblem ist unverkennbar.

Doch nicht alle Verbände kennen solche Akzeptanz-Schwierigkeiten. In Kanada, wo die erste Frauenliga im Jahr 1900 gegründet wurde, zählt der Verband 40 000 Spielerinnen, in den USA 23 000. Vor Jahresfrist fand ein Olympia- Vorbereitungsspiel zwischen den beiden nordamerikanischen Nationalteams in Calgary vor 16 000 Zuschauern statt. Nicht nur organisatorisch, auch sportlich besteht eine Zweiklassengesellschaft. Die 0:10-Niederlage gegen Kanada zum WM-Start bezeichnete die Schweizer Stürmerin Sandra Cattaneo als «ehrenvoll»; das beste je gegen Kanada erzielte Resultat sei ein 1:6 gewesen.

Wie in (fast) allen anderen Sportarten ist auch im Eishockey der Leistungsunterschied zwischen Männlein und Weiblein frappant. Body-Checks sind unter Damen nicht erlaubt. Einzig auf der Torhüterposition können Frauen (auf einem gewissen Niveau) mit ihren Branchenkollegen mithalten. Patricia Sautter, Goalie der Schweizer Nationalequipe, hütet das Tor der Winterthurer Elite-B-Junioren und besitzt sogar die Lizenz für Erstligaspiele. In der Schweiz dürfen sich Mädchen bis zur Novizen-Kategorie an der Junioren- Meisterschaft beteiligen; danach ist eine Spezial- Genehmigung notwendig. Die wohl bekannteste Eishockeyspielerin ist die Torhüterin Manon Rheaume. Die 27jährige Kanadierin wurde (zu Werbezwecken) schon in einem Exhibition-Match mit den Tampa Bay Lightning eingesetzt. Auch die Verantwortlichen der VEU Feldkirch beanspruchten die PR-Dienste der Torfrau. 1995 stand sie in einem Testspiel gegen den ZSC im Feldkircher Tor. Der Schweizer Nationalcoach Ralph Krueger, damals Trainer der Vorarlberger, erinnert sich mit einem Schmunzeln an jene Partie. Seine Spieler hätten sich noch nie so beherzt in die Scheiben geworfen, und die Zürcher seien sichtlich verunsichert gewesen. Ob letzteres allerdings mit Rheaumes Präsenz zusammenhing, ist fraglich. Nicht immer ist eine attraktive Brunette notwendig, um Zürcher Eishockey-Spieler zu irritieren.


Das Schweizer Frauen-Eishockey: eine Bestandesaufnahme

Nachdem die auf die Meisterschaft 95/96 eingeführte Nationalliga B auf Anhieb als voller Erfolg bezeichnet werden konnte, wurde noch in der gleichen Saison mit der Gründung von regionalen Auswahlteams in der Zentral- und Ostschweiz ein erster Schritt gemacht, um unter der Nationalmannschaft eine Leistungs-Pyramide zu schaffen. Im Laufe der Saison 96/97 wurde im Schweizer Frauen-Eishockey erneut einiges bewegt. Bereits im Sommer kam mit der Schaffung des B-Nationalteams, welches von allem Anfang an bereits vom Verband finanziell unterstützt wurde, ein weiterer sehr wichtiger Schritt dazu. Ende letzter Saison konnte mit der Schaffung der Auswahl Suisse Romand und der Neuorganisation der beiden anderen Regionalteams der Unterbau der Nationalmannschaft vervollständigt werden. Für die Führung dieser Mannschaften konnten eine Anzahl kompetenter und erfahrener Eishockeyfachleute gewonnen werden. Dies zeigt, dass das Schweizer Frauen-Eishockey immer ernster genommen wird. Die Bildung dieser Auswahlteams hingegen wird sich kaum schon in der kommenden Saison nachhaltig auf die Leistungen der Nationalmannschaft auswirken. Die Ernte dieser Anstrengungen wird frühestens in 2 bis 3 Jahren eingefahren werden können.

Das Fernziel für die Nationalmannschaft kann nur heissen: Teilnahme an den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City. Bei der zweiten Auflage eines olympischen Frauen-Turniers werden acht Mannschaften teilnehmen können. Der Platz in der erweiterten Weltspitze (zwischen Rang 5 und 8) soll aber bereits mittelfristig konsolidiert werden. Im weiteren muss der Abstand zur absoluten Weltspitze unbedingt massiv verringert werden.

Das erste Zwischenziel wurde mit dem souveränen Gewinn des WM-Qualifikationsturnier in Huttwil im März98 und der damit verbunden Berechtigung zur Teilnahme an der A-Weltmeisterschaft 1999 in Finnland erreicht. Die Bestätigung dieses Resultats in Form eines Nichtabstiegs (min. 7. Platz) bei der WM im Frühling, dürfte allerdings ungemein viel schwieriger werden.

Um in Zukunft näher an die Weltspitze zu gelangen, wird eine Vielzahl von weiteren Massnahmen nötig sein. So muss unbedingt die Anzahl Spielerinnen in der Schweiz in absehbarer zeit von heute ungefähr 700 auf mindestens 1500 erhöht werden. Dazu ist aber eine bessere Eingliederung der Mädchen in die Nachwuchsmannschaften der Clubs notwendig. Andererseits müssen aber auch neue Teams in Clubs etabliert werden, die bis heute den Frauen keine Spielgelegenheit bieten. Vor allem aber sind die bestehenden Clubs mit Frauenteams gefordert, die Nachwuchsarbeit endlich ernst zu nehmen! Dazu müssen Nachwuchs- und Reservemannschaften gegründet werden, um so Spielgelegenheiten für junge Mädchen zu schaffen, die nicht schon mit 7 oder 8 Jahren bei den Knaben begonnen haben, Eishockey zu spielen.

Obwohl sich die Akzeptanz dieser noch jungen Sportart in den letzten paar Jahren eklatant verbessert hat – zumindest die Mannschaften aus den beiden obersten Ligen und die Auswahlteams werden heute nicht mehr in Frage gestellt – ist noch ein weiter Weg zu gehen. Dem steht aber die nach wie vor weitverbreitete Meinung von einigen Clubfunktionären gegenüber, dass die Mädchen und Frauen nur den "richtigen" Eishockeyspielern das Eis wegnehmen. Diese Ansichten zu ändern, gehört meines Erachtens wohl oder übel zu den Aufgaben jeder Person, die sich in der Schweiz aktiv mit Frauen-Eishockey beschäftigt. Viele Leute mit "konservativen Eishockeyideen" sehen bis heute nicht ein, dass das Frauen-Eishockey nicht eine Konkurrenz sondern ganz klar eine Belebung und Verbreiterung der Basis unserer Sportart darstellt und diese damit stärker und gewichtiger macht. Ein positiver Punkt sind sicher auch die immer zahlreicher werdenden Schiedsrichterinnen und Trainerinnen, die sich in den Nachwuchsabteilungen engagieren. Viele von ihnen sind oder waren selber aktiv.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil sind die kurzen geographischen Distanzen in der Schweiz. Wir sind neben Finnland das einzige Land, das seine besten Spielerinnen in wenigen Spitzenteams konzentrieren und so in der Meisterschaft permanent gegeneinander antreten lassen kann. Dieser Trumpf wird aber noch nicht voll ausgespielt, da noch in zu wenigen Clubs versucht wird, wirklich Leistungssport zu betreiben. Diese Voraussetzung ist aber in Zukunft absolut notwendig, wenn wir mit der Nationalmannschaft die erwähnten Ziele erreichen wollen. Die Meisterschaft muss ausgeglichen bleiben, wie dies die letzten beiden Saisons der Fall war. Zusätzlich muss aber der Niveauunterschied innerhalb der Teams verringert, die Anzahl Trainings auf minimal dreimal Eis und einmal Kraft pro Woche gesteigert, sowie die Anzahl Meisterschaftsspiele auf 25 – 30 erhöht werden.

Das Fundament steht, jetzt liegt es vor allem an den einzelnen Clubverantwortlichen und Spielerinnen ob der Mehraufwand auf sich genommen wird, der die angestrebte Steigerung mit sich bringt.

Nick Heim

 

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